Darum solltest Du als Mann Brazilian Jiu Jitsu lernen

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Man könnte meinen, dass Brazilian Jiu Jitsu sich nicht so sehr von anderen Kampfsportarten unterscheidet, aber das stimmt nicht. Während Du bei anderen Stilen lernen kannst, gut im Stand zu kämpfen wird Dir Brazilian Jiu Jitsu (oder meistens auch einfach nur BJJ) helfen zu lernen, wie Du einen Gegner besiegen kannst, wenn Du auf dem Boden liegst.

Und das kann auch außerhalb des Gyms verdammt nützlich sein.

Denke mal nur an Deine Schultage zurück. Hast Du da nicht auch regelmäßig gerauft und seid Ihr nicht regelmäßig auf dem Boden gelandet?

Die Armbar ist im Brazilian Jiu Jitsu besonders wichtig

Und weil Du praktisch in jedem Straßenkampf sehen kannst, wie die Gegner zu Boden gehen, ist es auch so wichtig zu verstehen, wie Du Dich auf dem Rücken liegend nicht nur verteidigen, sondern sogar Deinen Gegner besiegen kannst!

Ich wiederhole: Du LIEGST AUF DEM RÜCKEN UND KANNST DEINEN GEGNER TROTZDEM BESIEGEN!

Not bad, was?

Solltest Du jemals in diese Situation kommen, wirst Du Dir wünschen Brazilian Jiu Jitsu gelernt zu haben, glaub mir!

Brazilian Jiu Jitsu: Die Kunst, den Gegner zu besiegen, obwohl man auf dem Boden liegt

Vielleicht fragst Du Dich, wie das gehen soll. Bei den meisten Prügeleien und Straßenkämpfen, die man so sieht bedeutet Rückenlage: Einer liegt wehrlos mit dem Rücken auf dem Boden, während der andere ihn ungehindert mit voller Wucht boxen oder auf ihn eintreten kann.

Und genau hier kommt der Zauber des Brazilian Jiu Jitsus ins Spiel: BJJ gibt uns gleich mehrere Optionen, um den Gegner trotzdem aus dieser unvorteilhaften Situation zu besiegen.

Das Wichtigste ist aber zunächst einmal, den Gegner zu Dir zu Boden und möglichst eng an Dich zu ziehen. Wenn Du nämlich selbst auf dem Boden liegst und Dein Gegner vor oder neben Dir steht, kann er zu Schlägen ausholen, die verdammt gefährlich sind. Warum? Weil er im Unterschied zu Dir rund um seinen Oberkörper viel Platz hat und ausholen kann – und je mehr er ausholen kann, desto mehr Kraft entwickelt. Simple Physik

Du musst also versuchen, Deinen Gegner mit Deinen Beinen am Boden zu ziehen und zu halten. Wohlgemerkt: Mit Deinen Beinen, weil sie ungleich mehr Kraft haben als Dein (und sein) Oberkörper. Du machst das, indem Du mit Deinen Beinen seinen Oberköper, oberhalb seiner Hüfte umschlingst und Deine Unterschenkel hinter seinen Oberkörper kreuzt.

Die Closed Guard: Mit Brazilian Jiu Jitsu kannst Du so einen Gegner neutralisieren, obwohl er vor Dir steht und Du auf dem Rücken liegst

Jetzt hast Du Kraft, ihn mühelos zu Dir zu ziehen und ihn daran zu hindern, Dich zu schlagen, zu pinnen oder gar auf Dich zu steigen und Dir Faustschläge zu verpassen.

Im Brazilian Jiu Jitsu nennt man diese Position (Du auf dem Rücken, Beine um den Oberkörper des Gegners) übrigens „Closed Guard“ im Judo wird sie „Do Osae“ genannt.

Submissions: Den Gegner erledigen

Jetzt weißt Du mittels der Closed Guard, wie Du Deinen Gegner neutralisieren oder „entschärfen“ kannst. Aber was machst Du jetzt? Ihn so halten, bis er keine Kraft mehr hat und aus der Puste ist?

Das wäre tatsächlich eine Option – aber nicht die beste. Was, wenn Dein Gegner sehr viel mehr Puste und Kraft als Du besitzt und sich doch aus Deiner Umklammerung befreien kann?

Besser ist es, ihn wirklich unschädlich zu machen. Dafür nutzt man im Brazilian Jiu Jitsu die sog. „Submissions“. Eine „Submission“ ist ein finaler Move, der den Gegner zum Aufgeben zwingt. Sei es, weil er freiwllig „tappt“ um zu zeigen, dass er genug hat. Oder weil Du -wenn Du die Submission durchziehst- ihm irgendein wichtiges Körperglied brichst. In beiden Fällen beendest Du mit einer Submission den Kampf ein für alle Mal.

Saulo Ribeiros „Jiu Jitsu University“ ist ohne Zweifel eines der Standardwerke des Brazilian Jiu Jitsu. Hier kannst Du Dir einen Überblick über zahlreiche Techniken wie Positionen, Submissions, Transitions, Escapes und vieles mehr verschaffen.

Die Submission im Brazilian Jiu Jitsu wird entweder durch Würgen (der „Choke“) oder durch Festhalten und Überdehnken der Gelenke (durch sog. „Joint Locks“) erreicht.

Es gibt aber keine Submissions, die auf explosiver Kraft beruhen, wie bspw. im Boxen. Wie gesagt: BJJ nutzt die Physik, um einen Gegner zu besiegen, nicht rohe Gewalt. Genau das macht aber Brazilian Jiu Jitsu zu so einem vergleichsweise sicheren Sport.

Ein Faustaschlag kann verheerend sein, aber er ist viel schwerer zu kontrolieren. BJJ-Techniken hingegen werden kontrolliert ausgeführt und können problemlos abgebrochen werden, wenn man merkt, dass man dem Gegner (z.B. im Unterricht) schaden könnte.

Aber noch einmal zurück zu den beiden Formen der Submission, Choke und Joint Locks.

Beim Choke wird einerseits die Luftröhre verengt, so dass die Person nicht mehr in der Lage ist zu atmen. Abgesehen davon gibt es auch das so genannte Choken, bei dem die Halsschlagader verengt wird.

Die erste Variante ist nicht nur weniger effizient als die zweite, sie kann zu dauerhaften Schäden oder sogar zum Tod führen. Die zweite Variante wird darum bei Brazilian Jiu Jitsu-Wettkämpfen häufiger angewendet.    

Was die „Joint Locks“ betrifft, die sicherer sind (weil im schlimmsten Fall „nur“ ein Gelenkt überdehnt wird), so wird mit der Körperposition ein Hebel erzeugt, der das Gelenk zwingt, sich über seinen normalen Bewegungsbereich hinaus zu bewegen. Das Gelenk wird also überdehnt.

Dies ist besser bekannt als Hyperextension und da es keinen Ausweg gibt, bleibt dem Gegner nichts anderes übrig, als sich zu ergeben bzw. zu tappen.     

Woher Brazilian Jiu Jitsu kommt

Und so geht das immer weiter. Im Brazilian Jiu Jitsu dreht sich alles darum, zunächst den Gegner zu kontrollieren (damit er keine ernsthaften Angriffe mehr durchführen kann) und ihn anschließend durch eine Submission (wie z.B. die Armbar) auszuschalten, um den Kampf ein für alle Mal zu beenden. Das ist aber nicht immer möglich oder gewünscht. In diesem Fall bringt man den Gegner zuerst ein eine andere Position, um ihn dort zuerst zu kontrollieren und schließlich eine Submission durchzuführen.

Nun ist Dir wahrscheinlich schon aufgefallen, dass ich Dir auch japanische Begriffe für die „Closed Guard“ genannt habe.

Das liegt daran, dass ein Großteil der Brazilian Jiu Jitsu-Technik von Kodokan Judo und Jiu Jitsu adaptiert wurde. Beides sind Kampfsportarten, deren Effektivität sich vor allem aus der Ausnutzung der Physik, insbesondere Hebel, resultiert.

Zu lernen, wie man die richtige Technik ausführt, ermöglicht es sogar einer kleineren und schwächeren Person, jemanden zu besiegen, der größer ist, weshalb es auch in Selbstverteidigungskursen verwendet wird. 

Brazilian Jiu Jitsu entwickelte sich in den 1920er Jahren, insbesondere durch die „Erfinder“ Helios Gracie und seinem Bruder Carlos Gracie und war über viele Jahrzehnte hinweg fast nur in Brasilien bekannt.

Weltweite Anerkennung erlangte es erst, als dessen Sohn Royce Gracie ab seiner 1993 viermal die Ultimate Fighting Championship gewann. Doch dann gewann es rasch an weltweiter Popularität, weil Royce Gracie auch wesentlich größere und kräftigere Gegner besiegte und so vor den Augen der ganzen Welt demonstrierte, dass dank BJJ auch kleinere Menschen größere und stärkere Gegner besiegen können.

Infolgedessen unterrichten nun verschiedene Schulen diese Kampfsportart. 

In Brasilien gibt es etwa vier davon und jede kann ihre Wurzeln entweder auf Carlos Gracie oder Mitsuyo Maeda zurückführen. Man kann wohl sagen, dass seine Popularität als Sportart dort nur noch von der des Fußballs übertroffen wird. Da regelmäßig Wettkämpfe abgehalten werden, wie z.B. die Europameisterschaften, Mundials und Pan American, die unter der International Brazilian Jiu-Jitsu Federation (IBJJF) stehen.    

Aber Wie lernt man Brazilian Jiu Jitsu?

Wenn Du Dir einen Überblick über BJJ verschaffst, wirst Du schnell feststellen, dass es wirklich unzählige Techniken gibt. So gibt es beispielsweise für jede Position wie die Closed Guard verschiedene Optionen, um einen Gegner zu submitten. Es gibt aber auch für jede Position verschiedene Optionen, um einen Gegner von einer Position in eine andere zu bringen (sog. „Transitions“ oder „Sweeps“). Und jede dieser Optionen wiederum besteht aus mehreren Schritten, die Du ja auch erst einmal kennen musst…

Du kannst Dir also vorstellen, dass man nicht so einfach mal „loslegen“ kann und Du Dir wirklich Zeit nehmen musst, um diese Kampfkunst zu erlernen. Trotzdem liegt auch im BJJ die Lösung nicht darin, einfach Positionen auswendig zu lernen.

Klar muss man sie kennen – doch nur die Übung macht den Meister. Und der einzige Weg, dies im Brazilian Jiu Jitsu zu tun, ist freies Sparring.

Sparring bedeutet, gegen einen lebenden und widerstandsfähigen Gegner unter realistischen Bedingungen zu kämpfen und dabei darauf zu achten, keine ernsthaften Verletzungen zu verursachen.        

Was Du noch über BJJ wissen musst, bevor Du das erste Mal in den Unterricht gehst

Wie Du auf den Bildern in diesem Artikel sehen kannst, trägt man im BJJ einen Anzug, der dem, was man beim Judotraining trägt, sehr ähnlich ist. Der einzige Unterschied ist, dass das Outfit engere Bündchen an der Jacke und der Hose hat.

Das ist aber nicht zwingend so. Denn es gibt auch sog. „No Gi“-BJJ. In diesem Fall tragen die Kämpfer als Oberteil meistens eine sog. Rashguard wie Du sie wahrscheinlich schon bei Surfern gesehen hast. Das ist mit anderen Worten ein sehr eng anliegendes Funktionsshirt.

Das ist aber nicht zwingend so. Denn es gibt auch sog. „No Gi“-BJJ. In diesem Fall tragen die Kämpfer als Oberteil meistens eine sog. Rashguard wie Du sie wahrscheinlich schon bei Surfern gesehen hast. Das ist mit anderen Worten ein sehr eng anliegendes Funktionsshirt.

Die Hose ist entweder eine Boxer-Shorts wie Du Sie eben aus dem Boxen, Kickboxen oder Muay Thai kennst oder aber eine sehr eng anliegende kurze Trainingshose, die ein wenig wie eine Radler-Hose aussieht.

Falls Du nicht nur Brazilian Jiu Jitsu alleine, sondern Mixed Martial Arts (MMA) betreiben willst, ist die No-Gi-Variante wahrscheinlich sehr viel interessanter für Dich, weil man im MMA-Käfg in der Regel ja auch keinen Gi trägt.

Ein typischer und qualitativ hervorragender Rash Guard, den Du nicht nur im Training, sondern auch im Sommer draußen tragen kannst

Der Unterschied zwischen Gi und No-Gi-BJJ geht aber noch weiter.

Wenn Du ausschließlich Brazilian Jiu Jitsu betreiben willst, darfst Du Dich darauf freuen, mit der Zeit in die nächste Gürtelklasse befördert zu werfen. Anfänger beginnen mit dem weißen Gürtel und arbeiten sich bis zum roten Gürtel vor. Wer unter 15 Jahre alt ist, arbeitet sich vom weißen zum grünen Gürtel vor.   

Wie schnell Du aufsteigt, hängt davon ab, wie viel Zeit Du investierst und wie schnell Du BJJ lernen kannst und natürlich ob Du Vorkenntnisse aus anderen verwandten Kampfsportarten wie Judo, Wrestling oder Grappling hast. Um zum Beispiel den schwarzen Gurt zu erreichen, brauchen viele zehn Jahre oder sogar mehr.  

Andere wiederum wie der UFC-Veteran BJ Penn haben dafür nur drei Jahre gebraucht.

Außerdem finden die meisten Brazilian Jiu Jitsu-Wettkämpfe im Gi statt, allerdings werden BJJ No Gi-Wettkämpfe immer beliebter.

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